Montag, 26. August 2019

Mitteldeutsche Vereinsmeisterschaft

Am Wochenende fanden in Oberbernhards die Mitteldeutschen Vereinsmeisterschaften statt. Wir konnten mit einer U14w-Mannschaft (Laura Vöcking, Lisa Landsiedel - Gastspielerin von der SVG Landeck Schenklengsfeld, Ariadne Medina Gonzalez und Rebecca Medina Gonzalez) starten.
Geplant war eigentlich nur, dass unsere Mädels bei starker Gegnerschaft wichtige Erfahrungen sammeln und ihre Spielstärke weiter verbessern. Durch (für Hersfeld) glückliche Umstände haben unsere Mädels die Qualifikation zur Deutschen Mannschaftsmeisterschaft erreicht!!
Der Reihe nach:
Startberechtigt sind die Meister von Hessen (VSG Offenbach), Rheinland-Pfalz (SV Multatuli Ingelheim), Thüringen und Saarland + 2 Freiplätze (SV Hofheim und SK Turm Bad Hersfeld).
Für diese 6 Mannschaften gibt es dieses Jahr 3 Qualifikationsplätze zur Deutschen
In den vorab veröffentlichten Informationen fehlten die Thüringische und Saarländische Mannschaft. Aber diese Listen sind selten aktuell. Das Saarland ist ein kleines Bundesland und hat kaum U14 Mädchen, die sich auch noch auf mehrere Vereine verteilen. Ein Saarländischer Verzicht ist daher nicht verwunderlich. Aber in Thüringen gibt es ein halbes Dutzend guter U14w-Mannschaften, so dass ich davon ausging, dass mindestens eine vermutlich aber zwei Thüringische Mannschaften nachmelden werden.
Direkt nach unserer Ankunft um 16 Uhr haben wir erfahren: Thüringen und Saarland reist tatsächlich nicht an. Es sind also die 4 oben aufgeführten Vereine, die sich um 3 Qualifikationsplätze duellieren. Außerdem wird Hofheim nur mit 3 Spielerinnen antreten können, da eine Spielerinnen schon seit mehreren Wochen erkrankt ist.
So um 17:00 Uhr trafen dann die Hofheimer ein - mit nur 2 Spielerinnen. Eine Spielerin hat sich am Freitag morgen mit Fieber krank gemeldet. Da die U14w statt der geplanten 5 Runden nur 3 Runden spielen wird, wurde beschlossen die Freitag-Abend Runde ausfallen zu lassen in der Hoffnung, dass die Hofheimer Spielerin Samstag morgen anreisen kann.
Gegen 22:00 gab es Nachricht aus Hofheim: Die erkrankte Spielerin wird auch am Samstag definitiv nicht anreisen können. Und als der Schiedsrichter der Hofheimer Betreuerin erklärte, dass die beiden Hofheimer Spielerinnen (eigentlich an Brett 3 und 4 gemeldet) an Brett 1 und 2 spielen müssen, da nach Turnierordnung nur die hinteren Bretter kampflos verloren gegeben werden dürfen, zogen sich die Hofheimer zu einer kurzen Mannschaftsbesprechung zurück und reisten um 22:30 Uhr wieder ab.
Es kann manchmal ein schmaler Grat sein zwischen "durch gute Gegner fördern" und "junge Spielerinnen sinnlos verheizen".
Damit hatten die verbliebenden Mannschaften (Offenbach, Ingelheim und Hersfeld) die Qualifikation zur Deutschen Vereinsmeisterschaft schon erreicht, bevor der erste Zug gemacht wurde.
Samstag morgen startete dann die erste Runde Ingelheim gegen Bad Hersfeld. Ariadne konnte ihre Gegnerin bereits in der Eröffnung überspielen und ihren Vorteil dann sauber und sicher zur Hersfelder 1:0 Führung ausbauen. Rebecca  und Laura (Gegen Frieda von Beckh - DWZ 1661. Beachtenswert: Ingelheim wird überlegen Rheinland.Pfalz-Meister, läßt aber bei diesem Turnier eine eigene Spielerin zu Hause um sich mit einer hessischen Spitzenspielerin nochmals zu verstärken!) fliegen einfach nur weg und haben nicht den Hauch einer Chance. Lisa baut sich etwas passiv aber vollkommen Gesund auf. Leider verpasst sie in der Eröffnung zwei mal die Möglichkeit mit aktiven Zügen eine für die Gegnerin unangenehme Initiative zu entfalten. Bis ins späte Mittelspiel kann Lisa voll mithalten und die Stellung im Gleichgewicht halten. Einmal hätte sie mit einer kleinen Kombination sogar in ein Doppelturmendspiel mit Mehrbauer abwickeln können. Als die Bedenkzeit dann knapper wurde, leistete sich Lisa eine Ungenauigkeit und das reichte der Rheinland-Pfälzischen Spitzenspielerin um eine gefährliche Aktivität zu entfalten um dann in der Zeitnotphase Lisas Stellung völlig zu zerpflücken.
Endstand 3:1 für Ingelheim.
Samstag Nachmittag konnten wir dann zuschauen, wie Turnierfavorit Offenbach mit Müh und Not grade so gegen Ingelheim gewinnt (2,5:1,5)
Sonntag morgen dann der Abschluß gegen Hersfeld gegen Offenbach. Diese Begegnung haben wir (nicht ganz unerwartet) mit 4:0 verloren. Völlig Chancenlos waren wir allerdings nicht: Rebecca ist es gelungen ihre Gegnerin in der Eröffnung an die Wand zu drücken. An Zwei stellen hätte sie mit genauen Zügen und (zeitweiligen) Figurenopfer ihre Gegnerin zur Aufgabe zwingen können. Rebacca hatte durchaus bemerkt, dass die gegnerische Verteidigungsstellung brüchig ist. Aber ihr war nicht klar wie brüchig die Verteidigung ist. Vielleicht fehlte auch etwas die Traute gegen eine Gegnerin mit über 300 DWZ-Punkte Vorsprung Figurenopfer anzubringen. Sie spielte mit "normalen" Zügen weiter, die Offenbacherin konsolidierte ihre Verteidigung und wickelte in ein Endspiel mit zwei Türmen und ungleichfarbigen Läufern ab. Dieses Endspiel verteidigte Rebecca  gut, aber es gab nichts mehr zu verteidigen: Die Offenbacherin hatte das schon so eingerichtet, dass das Endspiel oberflächlich betrachtet (Materialgleichheit) zwar harmlos aussah aber in Wirklichkeit war das bereits eine technische Gewinnstellung.
Auch Laura hat in dieser Begegnung einiges geleistet. Nach 20 Zügen hat sie eine völlig chaotische Stellung auf dem Brett. Beide Seiten haben mehrere Bauernschwächen, Figuren stehen auf Feldern, wo man eigentlich nicht weiß was die dort zu suchen haben, keine offensichtlichen Ideen oder Spielpläne. Ohne eingehende Analyse oder Computerhilfe weiß ich auch nicht ob oder wer da eigentlich besser steht (oder vielleicht auch weniger schlecht steht?). Gegen eine 450 DWZ-Punkte bessere Spielerin derartige Stellungen anzustreben ist sicher keine schlechte Strategie, eine derartige Stellung dann aber in der Praxis auch aufs Brett zu zaubern zeugt schon von einer gewissen Klasse.
Dann wurde bei beiden Spielerinnen die Zeit knapp, und die Stellung blieb chaotisch. Als Lauras Bedenkzeit unter zweieinhalb Minuten sank habe ich dezent den Raum verlassen um Laura durch meine Anwesenheit nicht noch nervös zu machen. Als ich den Raum wieder betrat war die Zeitnot vorbei und Laura hatte einfach nur eine Figur weniger....

Gesamtfazit: Die Mannschaft hat sicherlich nicht so entfesselt gespielt wie bei den Hessischen Mannschaftsmeisterschaften aber doch erheblich besser als das nackte Ergebnis (1:7 Brettpunkte) es vermuten läßt
Jede Spielerin ist einmal mehr oder weniger vorgeführt worden und hat einmal völlig reele Chancen bekommen (und einmal auch voll genutzt) Und das waren keine Gegnerinnen aus der Bezirksliga!




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